Italien
Merletto a fussilli
In vielen Regionen Italiens werden meist unabhängig voneinander recht unterschiedliche Arten von Spitze gefertigt. So kommen Liebhaber von Nadel-, Klöppel-, Filet-, Häkel- und Knüpfspitzen auf ihre Kosten. Aber auch Stickereien können bewundert werden.
Klöppeln und Keramik Oligate Comasco

Es gibt kleinere regionale Spitzentreffen. Im Mai 2003 fand erstmalig ein gesamtitalienisches Forum der Spitzen und Stickerei in Rimini statt, um den Erfahrungsaustausch zu verbessern und alte und regionale Techniken und Besonderheiten kennenzulernen und zu bewahren.

Herkunft

Die Nadelspitze in ihrer heutigen Form entstand vermutlich im 15. Jahrhundert, die Klöppelspitze Anfang des 16. Jahrhunderts in Venedig. Das älteste vorhandene Exemplar ist eine Mischspitze aus dem 16. Jahrhundert, die im Palazzo Rota bis November 2003 in Venedig ausgestellt ist. Sie entwickelten sich aus früheren Formen griechischer und islamischer Spitze, die aufgrund der zahlreichen Handelsbeziehungen in die Stadt gelangten. So heißt ein wichtiger Grundschlag «punto greco» (griechischer Schlag).

Von Venedig aus verbreitete sich die Spitzentechnik nach Flandern und überall nach Europa.

1. Internationales Forum der Spitze und Stickerei
Vom 1. bis 11. Mai 2003 fand zum ersten Mal ein internationales Forum der Spitze und Stickerei in Bellaria (Rimini) statt. Zu diesem stellten italienische Spitzengruppen, Klöppelschulen, Museen und Künstler der verschiedenen Regionen ihre eigenen Arbeiten zum Thema «Blumen» aus. Deren Herstellung wurde an Ständen demonstriert. Selbst die Veranstalter waren von der Vielfalt der italienischen Techniken überrascht.
Im Vorfeld des Treffens fanden Mitmach-Kurse zu Klöppel-, Nadelspitze, Macramé und Stickerei statt. So konnten die Teilnehmer beim Klöppeln Punto Venezia aus Cantú, Punto Fandra aus Gorizia, oder Sansepolcro, beim Sticken den Katharina-von-Medici-Stich, Assissi-Stickerei oder Bandera-Stickerei und bei der Nadelspitze Puncetto, Venezianische Spitze oder Aemilia ausprobieren.
Macramé-Kursarbeit

Im Spitzenforum wurden die Techniken in Vorträgen vorgestellt. Italienische Museen und Textilsammlungen warben für sich und boten Kataloge, Postkarten und anderes Material zum Verkauf an oder zeigten in Diavorträgen ihre Exponate. Ebenso wurden neue Forschungsergebnisse über die Herkunft der Spitzen und neue Trends vorgestellt.

Bericht von der italienischen Spitzenstudienreise 2003

Aufgrund des großen Erfolgs fand im Mai 2005 das 2. Internationale Forum der Spitze und Stickerei «ItaliaInvita» statt.

Predoi/Prettau

Entwurf und Ausführung: Anna Kammerlander
Nauhausergasse 47/E, I-39030 Prettau, Tel. 0039474654258

Das Klöppeln kann im Südtiroler Bergdorf Prettau im Ahrntal auf eine lange Tradition zurückblicken, doch einen Aufschwung nahm es erst nach der Schließung des Kupferbergwerks. Bereits 1894 wurde die Klöppelschule gegründet, die als einzige in Südtirol noch heute existiert.

Neben traditionellen Spitzen wie «Edelweiß», «Schnecken» und «Fledermaus» werden auch moderne Spitzen geklöppelt und zum Kauf angeboten.

(Text: Anna Kammerlander)

Lusern
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Wappen von Lusern

Das kleine Bergdorf Lusern liegt in Südtirol auf der Hochebene von Lavarone. Die Einwohner sprechen zimbrisch, ein mittelalterliches Bayrisch. Der Südtiroler Pfarrer Franz Zurchristian errichtete 1866 eine deutsche Schule. Durch seine Bemühungen konnte 1882 eine Spitzenklöppelschule eröffnet werden. Somit erschloss für die arme Bevölkerung eine neue Erwerbsquelle. Durch einen Großbrand 1911, die Wirren des 1. Weltkrieges und Auswanderungen geriet die Klöppelspitze in Vergessenheit.


Haus von Prükk

Mit der Gründung des Kulturinstituts «Instituton Cimbro» 1987 wurde ein Gremnium geschaffen, daß sich um die Kultur und Sprache der zimbrischen Minderheit kümmert. Am 5. Juli 1996 beschloß der Gemeindrat die Gründung der Stiftung «Dokumentationszentrum Lusern». Ihr Ziele sind die Aufarbeitung und Bekanntmachung der Vergangenheit, Dokumente und Bauwerke erhalten sowie den und den Fremdenverkehr fördern.

Mit Hilfe das Kulturinstitus wurde die Lehrerin Cesara Perini aus Rovereto für die Wiedereröffnung der Klöppelschule in Lusern ab November 1996 gefunden. Dafür wurden typische Muster zusammen getragen, so daß heute die alten Muster der Kaiserin Maria Theresia unverändert gearbeitet werden. Diese enthalten viele Formschläge, die die Blättchen des Edelweiß darstellen.

Im Heimatmuseum werden Klöppelarbeiten, Muster, Klöppelsäcke, Klöppel, eine Klöppelwickelmaschine ausgestellt. Es auch deutsche Informationstafeln zur Spitze vorhanden.


Klöppelwickelmaschine

Typische Lusern-Spitze

Mit der Eröffnung des Museums «Haus von Prükk» am 4. September 1999 wurde ein zimbrisches Bauernhaus mit der ursprunglichen Ausstattung als historisches Beispiel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch hier gibt es Klöppelspitzen zu sehen: an einer Frauentracht, an Gardinen, auf der Tischdecke.


Lusern-Spitze

Gardine mit Lusern-Spitze

Lusern-Spitze

Geöffnet: Sa + So und nach Vereinbarung

Gandino

Der Bergort Gandino befindet sich in der Provinz Bergamo. Hier lassen sich in den Kirchen Klöppelspitzen finden. In der Basilika der S. Maria Assunta aus dem 15. Jhd. haben die Altardecken eine Abschluß mit Klöppelspitze. Die Bekleidung der Priester weist ebenfalls Klöppelspitze auf.


Gandino

Basilika

Altarspitze

Gegenüber im Museum der Basilika befinden sich neben sakralen Kunstwerken eine große Spitzensammlung mit über 100 katalogisierten Gold- und Silberspitzen. Zu sehen sind Mailänder Spitzen, venezianisch Spitzen, Spitzen aus Flandern und Genua. Die meisten sind in der 2. Hälfte des 17. Jhd. und im 18. Jhd. erworben worden.


Klöppelspitze

Goldspitze

Die Priestergewänder in der heiligen Kreuzkirche sind ebenfalls mit Klöppelspitze verziert.

Sansepolcro

Information Sansepolcro

Die mitteralterliche Stadt liegt im Westen der Toscana in der Province Arezzo. Hierher brachte Frau Amalia Gelli die Technik des Spitzenklöppelns. Sie lernte dieses Handwerk von einer flämischen Nonne während ihres Aufenthaltes im Frauengefängnis.

Die Schwestern Adele und Ginna Marcelli übernahmen diese Art des Klöppelns. Beide nahmen Kontakt zu anderen Spitzenorten auf (Pescocostanzo, L'Aquila, Genoa, Mailand) und schufen eine eigene typische Klöppelspitze. Um 1900 gründeten sie eine Klöppelschule, die mehr als 100 Schüler hatte. Es gab auch mehere tausend Heimarbeiter im Tibertal verstreut.

Adele verstarb 1912. Einige Zeit später fertigte Ginnas Ehemann, Domenica Petri, Entwürfe an und verbesserte somit die Qualität der Spitze. Die Spitzen von Sansepolcro wurden weltbekannt. Sie eroberten auch den amerikanischen Markt. Die Schule gewann auf internationalen Ausstellungen verschiedene Goldmedallien und Zeugnisse.


Alte Musterbriefe

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges verschloß sich der ausländische Spitzenmarkt. Die Produktion stand still.

Mit dem Ende des Kriegs wurde die Schule mit weniger Personal wieder eröffnet. Nach dem Tode ihres Mannes 1948 übernahm Ginna die schulischen Aktivitäten.

Das staatliche Kunstinstitut gründete 1955 eine neue Spitzenklasse, die jedoch 1961 wieder geschlossen wurde.

Ginna verstarb 1977 im Alter von 95 Jahren. Im gleichen Jahr eröffnete Pia Berhi, ihre frühere Schülerin, die Schule wieder.


Moderne Arbeit

Das Kulturzentrum von Sansepolco wurde 1979 von Lehrern, Künstlern und Intellektuellen gegründet. Es organisierte im Jahre 1983 die erste lokale Klöppelausstellung. Aufgrund des großen Interesses wurden 1884 auf der zweite Ausstellung Spitzen aus Italien und Europa gezeigt. Nach 1990 kamen die Spitzen von der ganzen Welt. Heute findet die Biennale der Klöppelspitzen alle 2 Jahre, im Wechsel mit der der Goldschmiedekunst statt.

Im Jahr 1996 wurde die Gesellschaft "Spitze in der Stadt Piero" zur Bewahrung und Verbreitung der klöppelspitze gegründet. Durch die Unterstützung der Gemeindeverwaltung konnte im gleichen Jahr eine dauernde Spitzenausstellung, die der Arbeit von Adele und Ginna Marcelli gewidmet ist, in einem alten Gebäude der Stadt eröffnet werden. Seinem Erdgeschoß befindet sich heute die Klöppelschule.


Spitzensammlung

Klöppelkissen mit Dreifuß

Spitzensammlung
Olgiate Comasco

Die Kleinstadt Olgiade Comasco liegt in der Province Como, am Rand der Alpen. Hier wurde 1984 der Verband "Faden und Spitze" gegründet. Traditionell arbeiten die Mitglieder Cantu- und Mailänder Spitze. Jährlich finden Spitzenkurse unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades und Keramikzeichenkurse statt. Alle 2 Jahre werden die Kursergebnisse und ein Wettbewerb in einer Ausstellung in der Villa «Camilla» gezeigt.


Olgiate

Spitze und Keramik 2003

Ausstellung 2005

Weitere Spitzenausstellungen und -regionen

Milano: Museum Pezzoli

Venice: Palazzo Rota (bis November 2003)


Eingang

Schauklöppeln

Alte Klöppelsäcke

Spitzenträgerin

Como: Städtisches Museum

Modena: Palazzo del Musei

Piacenza


Alte Spitzenschleier

Alte Schleier aus Spitze

Priestergewand

Gorizia

Pescocostanzo: Spitzenmuseum, Klöppelschule

© Petra Pönisch 2010-08-31   Impressum