Barbara Uthmann
Barbara Uthmann in Annaberg
Seit mehreren Jahrhunderten ist das Klöppeln im Erzgebirge anzutreffen. Sucht man heute nach den Wurzeln dieser Kunst, wird man in der alten Bergstadt Annaberg fündig. Gleich auf dem Marktplatz der Stadt befindet sich ein mächtiger Brunnen mit einem Denkmal einer anmutigen Frau aus der Reformationszeit. Der Sockel und die im Pflaster eingelassene Bronzeplatte verraten uns, dass hier Barbara Uthmann, 1514 - 1575, Förderin des Spitzenklöppelns und Bortenwirkens und Spitzenklöppelns sowie Unternehmerin im Montanwesen, geehrt wird.
Babara-Uthmann-Denkmal

Markt und St.-Annen-Kirche

Bei der Annaberger Stadtführung, die hier startet, erfahren wir: Nach ergiebigen Silberfunden 1491 am Schreckenberg zogen aufgrund der in Sachsen geltenden Bergfreiheit viele Bergleute mit ihren Familien an dessen Fuß. Deshalb ließ Herzog Georg von Sachsen am 21. September 1496 die «Neue Stadt bei dem Schreckenberg» gründen, die auf seine Bitte hin vom Kaiser Maximilian I. am 22. März 1501 ein Stadtwappen und den Namen «St. Anna Berg» verliehen bekam.

Als einer der ersten Bergherren zeigte sich Johann von Elterlein, der bereits an einigen Fundgruben im Erzgebirge beteiligt war. Sein Sohn Heinrich und dessen Ehefrau Ottilie gaben ihrem 4. Kind, das 1514 in Annaberg oder Elterlein geboren wurde, den Namen Barbara.

Der Erstbau des derzeitigen Hauses des Gastes «Erzhammer» gehörte ab 1519 der Familie Elterlein.

Heute ist der "Erzhammer" ein kulturelles Zentrum der Stadt. In disem finden viele Veranstaltungen und Ausstellungen statt, wie z.B. die jährlich im September wiederkehrenden «Annaberger Klöppeltage» Weiterhin befinden sich in diesem Haus eine Klöppel- und Schnitzschule. Jeder, der eins dieser traditionellen Handwerke erlernen möchte, kann dort Kurse besuchen. Schulen können nach Bedarf Projekttage anmelden.


Klöppelschule

Markt 8
Mit nur 15 Jahren heiratete Barbara von Elterlein den 7 Jahre älteren, aus Löwenberg in Schlesien zugezogenen Christoph Uthmann. Der Ehe waren 12 Kinder beschieden. Ihren vermutlich ersten Hausstand gründete die Familie in der Museumsgasse 1, später kam ein Haus am Markt (Marktplatz 8) hinzu.

Zum Familienbesitz der Uthmanns zählten weitere Grundstücke in Annaberg, sowie Erzgruben, Pochwerke und Schmelzhütten in der Umgebung. Als wirtschaftlich bedeutsamster Besitz erwies sich die 1550 erworbene Saigerhütte in Grünthal bei Olbernhau. Diese besaß das Monopol der Kupferverhüttung in Sachsen. Mit 39 Jahren wurde Barbara Uthmann Witwe und führte die bergmännischen Unternehmen ihres Mannes selbständig weiter.

Beginn des Klöppelgewerbes

Mit dem Aufblühen der Bergstadt Annaberg durch den Bergbau entstand der Bedarf an textilem Luxus. Die Bergherren und deren Familien stellten mit reich verzierten Kleidern ihren Reichtum zur Schau. Somit entwickelte sich die Herstellung und der Handel von Borten und Klöppelspitzen. Mitte des 16. Jahrhunderts trat eine Krise im erzgebirgischen Bergbau ein, und die Borten- und Klöppelspitzenherstellung erlangte nunmehr eine zunehmende Bedeutung als Wirtschaftsfaktor und Hauptquelle des Broterwerbs.

Barbara Uthmann erkannte dies mit unternehmerischer Weitsicht und begann ein Verlagswesen für den Handel mit Bortenerzeugnissen aufzubauen, welches 1550 erstmals urkundlich genannt wurde. Mit dem Handel von Klöppelspitzen ist sie urkundlich 1561 in Verbindung gebracht worden. Durch ihr Vermögen und ihre geschäftlichen Verbindungen konnte Barbara Uthmann ihr gut funktionierendes Verlagswesen ausbauen und in der Folge ca. 900 Bortenwirkerinnen in Lohn und Brot nehmen. Einer schönen Sage nach soll eine vertriebene Brabanterin das Klöppeln aus den Niederlanden mitgebracht haben. Von ihr lernte Frau Uthmann das Klöppeln und führte es im Erzgebirge ein.
Musterbuch, 19. Jahrhundert, Adam-Ries-Haus

Sowohl als Konkurrenten aber auch als Lehrmeister der erzgebirgischen Bortenwirker traten die schottischen Bortenhändler auf, die in Buchholz erstmals 1537 und in Annaberg erstmals 1557 urkundlich erwähnt wurden. Sie brachten in ihrem Wanderhandel Borten und Spitzen mit und boten diese den Frauen reicher Bergherren zum Kauf an. Die Bortenschotten - wie sie genannt wurden - stellten sich auf die in Annnaberg und in Buchholz gewirkten Borten ein und kauften nun ihrerseits die hier hergestellten Erzeugnisse bei den Verlegerinnen ein. Später bestellten sie die Spitzen zu günstigeren Bedingungen direkt bei den Bortenwirkerinnen und Klöpplerinnen und zogen sich so den Ärger der Verlegerinnen zu.

Barbara Uthmann betrieb ihr Verlagswesen nachweislich bis 1571. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Barbara in ihrem Haus Große Kirchgasse 10, wo sie am 14. Januar 1575 verstarb. Sie wurde am Folgetag neben ihrem Mann auf dem alten St. Trinitatis-Friedhof, am jetzigen Busbahnhof, beigesetzt. Seither ranken sich viele Sagen und Legenden um diese erfolgreiche Geschäftsfrau im Bortenhandel und Montanwesen.

Ehrung Barbara Uthmanns
Der große Erzgebirgschronist Christian Lehmann, nennt 1680 Barbara Uthmann «die Erfinderin des Spitzenklöppelns», was mittlerweile durch grundlegende Forschungen widerlegt ist. Die im Spitzenhandel reich gewordene Firma August Eisenstuck stiftete ein Grabmal, welches der Dresdner Bildhauer Franz Seraph Pettrich schuf und am 17. Oktober 1834 auf dem Trinitatis-Friedhof eingeweiht wurde.
Grabmal im Stadtpark

Barbara-Uthmann-Denkmal
Das erste Barbara-Uthmann-Denkmal weihte man am 10.November 1886 auf dem Annaberger Marktplatz ein. Die Brunnenstatue schuf der Dresdner Bildhauer Eduard Robert Henze nach idealisierten Vorstellungen seiner Zeit, da keinerlei Bildnisse von Barbara Uthmann überliefert sind. Die Statue fiel im August 1942 dem Kriegswahn zum Opfer, der Brunnen wurde in den 60er Jahren abgerissen. Im Jahre 1999 gründete sich der «Förderverein zur Wiedererrichtung des Barbara-Uthmann-Denkmals auf dem Annaberger Markt e.V.». Mit seiner Hilfe konnte das neue Denkmal am 2. Oktober 2002 eingeweiht werden.

Gleichzeitig eröffnete eine Sonderausstellung über Leben und Werk Barbara Uthmanns im Adam-Ries-Museum. Dieses Haus würdigt ebenfalls das mannigfaltige Wirken des «Rechenmeisters des einfachen Volkes» und Bergbeamten Adam Ries (1492 - 1559).


Ausstellung im Adam-Ries-Haus

Beide Ausstellungen können dienstags bis sonntags, 10 - 16 Uhr, besucht werden. Gruppenbesuche mit Führungen sind bei Voranmeldung, auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten, möglich.
Kontakt über: Adam-Ries-Bund e.V., Johannisgasse 23, 09456 Annaberg-Buchholz, PF 100 102, Tel. 03733 / 22186 und 429086, Internet: www.adam-ries-bund.de.


Adam-Ries-Haus

Uthmann-Fenster der St.-Annen-Kirche

Im Zuge der Renovierung der spätgotischen St.-Annenkirche von 1883 bis 1896 erhielt diese in Gedenken an Barbara Uthmann ein Bleiglasfenster mit einer neben einem Klöppelsack stehenden Frau. Es wurde vom Leipziger Professor A. Winterstein in Anlehnung an das Brunnendenkmal entworfen und von der Kunstanstalt von Schulze und Stockinger in Leipzig gefertigt.

Die Kirche ist montags bis freitags 10 - 17 Uhr, samstags 10 - 17 Uhr, sonntags 12 - 17 Uhr geöffnet.

Der Kaufmann und Friedensrichter Bruno Julius August Matthes nannte das Wohn- und Geschäftshaus in der Wolkensteiner Straße 2a «Barbara-Uthmann-Haus» welches jedoch nie zum Besitz der Uthmanns gehörte. Heute befindet sich hier das Barbara-Uthmann-Cafe.
Uthmann-Café

Erzgebirgsmuseum

Gegenüber der St. Annenkirche befindet sich das Erzgebirgsmuseum. Hier ist unter anderen Klöppelzeugnissen eine 1932 vom Kunstschnitzer Paul Schneider gefertigte Holzbüste Barbara Uthmanns zu besichtigen.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 10 - 17 Uhr

Die jüngste Ehrung für Barbara Uthmann fand im Sommer 2003 statt. In der Nacht vom 1.Februar1998 wurde in der Volkssternwarte Drebach mit dem Spiegelteleskop im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter der Planetoid 31231 entdeckt. Nach der Bestätigung erhielt er vom Erstentdecker, Jens Kandler, den Namen «Uthmann». Die Ernennungsurkunde wurde anlässlich der diesjährigen 14. Annaberger Klöppeltage der Leiterin des Kulturzentrums «Erzhammer» überreicht.

Der Himmelskörper hat einen Durchmesser von 10 km und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 22 km/s auf einer Bahn um die Sonne, welche zwischen den Planeten Mars und Jupiter liegt. Somit ist der Kleinplanet etwa 225 Mill. km von der Erde entfernt.


Kleinplaneten-Urkunde

Auf dem alten Denkmal und dem Grabmal wird der Name «Uttmann» geschrieben. Die unterschiedliche Schreibweise resultiert aus verschiedenen amtlichen Eintragungen, für die bis 1875 keine einheitliche Schreibweise festgelegt war. Der Heimatforscher Heinrich Harms legte nach ausführlichen Forschungen die Schreibweise «Uthmann» als die richtige fest.

Im Gespräch mit dem Annaberger Stadtführer und Heimatforscher Klaus-Peter Herschel war Petra Pönisch.
© Fotos: Petra Pönisch.

© Petra Pönisch 2007-04-22   Impressum